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Singen im Chor – aber sicher!

Schnellorientierung

  • THEMA DIESER SEITE: Die vorliegende Seite ist der Sicherheit beim Singen unter Coronabedingungen gewidmet. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu dieser Thematik werden in einer Zusammenschau vieler Forschungsergebnisse aufgezeigt und erläutert.
  • ZIEL DIESER WEBPRÄSENZ ist es erstens, anhand der Forschungssituation ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass – so noch nicht geschehen – ein Umdenken stattfinden sollte: weg von einer Überbetonung hygienischer Schutzmaßnahmen (ohne diesen Aspekt ignorieren zu wollen), weil hierdurch eine falsche Sicherheit vorgespiegelt werden kann, hin zur größeren Beachtung von Maßnahmen, die den primären Übertragungsweg (nicht nur in Chören, aber besonders dort), nämlich die Ansteckung über die Luft, unterbinden (siehe Menüpunkte: Vergleich Ansteckungswege, Aerosolübertragung beim Singen).

Inhalt der Startseite

  • Schnellorientierung
  • Kurzbeschreibung der einzelnen Menüpunkte
  • Vorwort (neu Juni 2021, altes siehe Akkordeonakkulade unten)
  • LösungsorientierUnG: Darauf aufbauend ist es mir zweitens ein großes Anliegen, nach und nach Lösungsansätze aller Art zu sammeln, die Singen sicherer ermöglichen, und deren Wert auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Studien zu diskutieren (Menüpunkt Schutzmaßnahmen beim Singen derzeit im Aufbau), damit wir möglicherweise auch längerfristig gedacht und unter aufmerksamer Beobachtung der allgemeinen Situation möglichst wenig gefährdet zum Singen zusammen kommen können.

Kommentar Ende November 2021: Im Frühjahr vor dem Aufkommen von Delta sah es so aus, als könnte die Impfung die chorischen Schutzmaßnahmen überflüssig machen. Delta mit sehr viel höheren Viruslasten in Infizierten und einer bald verdoppelten Ansteckunsfähgigkeit gegenüber Alpha stellt uns jedoch vor neue Herausforderungen. Was das gerade aufkommende Omikron bewirkt, werden wir genau beobachten müssen. Nachdem es im Sommer wegen Delta bereits bei Grossanlässen und in Clubs mit hoher Aerosolproduktion zu zahlreichen Impfdurchbrüchen kam und mittlerweile im Herbst 2021 auch Superspreadingevents bei Choranlässen selbst unter vollständig Geimpften bekannt geworden sind (z. B. Deutschland 1, 2, 3, 4, 5; Schweiz 1; Österreich 1; Holland 1, 2, 3, 4; Schweden 1; Italien 1) – scheint es geraten zu sein, mit einem Cocktail an Schutzmaßnahmen im Chorbereich weiterzuarbeiten und getroffene Maßnahmen der epidemiologischen Lage anzupassen. Wobei noch nicht klar ist, wie häufig es zu Ausbrüchen in Chören mit Geimpften kommt (mir sind aktuell bereits mehrere weitere Ausbrüche und Ansteckungen in Chören in meinem Umfeld in der Schweiz bekannt, die nicht von der Presse dokumentiert sind) und welche Folgen dies hat: Bei den verlinkten Pressetexten wurde oft von milden Erkrankungen berichtet, von Krankenhauseinweisungen nur im Einzelfall. Wenn man also weiß, welch große Mengen an Aerosolen beim langgezogenen und lauten Singen entstehen können und mit welch großen Mengen das Immunsystem hier im (selteneren) Fall konfrontiert sein kann, empfehlen sich nicht nur unbedingt die Grundimpfungen, sondern auch eine Boosterimpfung. Jedoch scheint die Long-Covid-Gefahr bei Impfdurchbrüchen nicht gebannt zu sein und maximal nur halbiert zu werden (Studien dazu 1, 2, 3, 4). Daher sollten günstigerweise über 2G und 3G-Regelungen weitere Schutzmaßnahmen ergriffen werden, die generell das Risiko einer Ansteckung minimieren. Ein angemessener Abstand zu anderen Personen (abhängig davon, ob mit Maske gesungen wird oder nicht) und das Tragen von Masken sind darüber hinaus die ersten Mittel eines persönlichen Schutzes. Um aber Superspreadingevents zu vermeiden ist die Minimierung gemeinsam geatmeter Luft das oberste Ziel der Schutzmaßnahmen (sinnvoller Luftaustausch, Zufuhr von Frischluft bzw. Dauerbelüftung, Tragen von Masken durch viele, Benutzung von Luftreinigern mit Hepafiltern, Verkürzen der Präsenszeit und von Probeabschnitten, große und hohe Räume). Auch eine kluge saisonale Anpassung bei Konzert- und Eventplanungungen kann zur Risikoverminderung beitragen. Schnelltests bleiben auch unter Geimpften, die ebenfalls zu Superspreadern werden können, mindestens bei größeren Anlässen sinnvoll. Denn auch wenn Schnelltests viele Infizierte mit geringer Viruslast übersehen, so können doch dadurch hohe Viruslasten, die für Superspreading relevant sind, recht zuverlässig erkannt werden. In jedem Fall sicherer wären natürlich PCR-Tests.

  • Inhalte als Angebote zum Studieren: Diese Webseite bietet für Interessierte viel Stoff zu den unterschiedlichen Themenbereichen, den man nicht gesamthaft studiert haben muss, um sich über einzelnes nur selektiv zu informieren und um Teilbereich nachvollziehen zu können. Zwecks besserer Orientierung und eines schnelleren Überblicks versuche ich daher nach und nach die Navigation noch weiter zu erleichtern: mit Unterinhaltsverzeichnissen, mit Raffungen im Haupttext durch die Integration von Accordion-Texten (hinter hellgrauen Feldern mit einem Dreieck am Anfang findet man durch Anklicken erklärende Untertexte) sowie mit Schnellorientierungen in blauer Schrift oder auch mit wichtigen und einführenden Texten in Fettdruck.

Kurzbeschreibung der einzelnen Menüpunkte

Vier Menüpunkte, die zeigen sollen, warum der Vermeidung der Luftübertragung (besonders in Singgruppen) die größte Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte:

  • Aerosolübertragung allgemein Indizien: Was Wissenschaftler auf die Spur gebracht hat, dass die Übertragung über die Luft ein wichtiger Ansteckungsweg bei Corona ist
  • Unterpunkt Vergleich Ansteckungswege: Ein tabellarischer und erläuterter Vergleich der Ansteckungswege bei Corona, der die Dominanz der Luftübertragung nahe legt, sowie eine Darstellung der Gründe , warum die anfänglich so hoch eingeschätzte Kontaktübertragung nur eine weit untergeordnete Rolle spielt und Maßnahmen dazu nicht übergewichtet werden sollten
  • Aerosolübertragung beim Singen: Erläuterung der besonderen Ansteckungsbedingungen beim Singen durch Aerosole anhand zum Teil auch kontroverser wissenschaftlicher Studien und Einschätzungen von Fachleuten.
  • Unterpunkt Studien zum Singen: Einzelstudien zum Singen, die Aufschluss über die Gefährdung und/oder Schutzmaßnahmen geben können, aber auch Risikoeinschätzungen trage ich hier zusammen und erläutere oder auch bespreche sie. Die Fortführung dieses Punktes hat aktuell keine Priorität. Den Punkt möchte ich demnächst ganz in den Menüpunkt Aerosolübertragung beim Singen integrieren.

Betroffene Singgruppen: Eine größere kommentierte, jedoch bei weitem unvollständige Auflistung von infizierten Gesangsgruppen (primär von Chören und Gesangsensemble in Europa) zur Verdeutlichung der oft hohen Angriffsraten in Singgruppen.

Risiko Spät- und Langzeitfolgen: Besondere Überlegungen zum Risiko beim Gruppensingen und eine kommentierte Darstellung zum anfänglich vernachlässigten Thema Langzeitfolgen (auch bei Sängern)

Vergleich von Hygiene- und Schutzkonzepten: Ein (nur rudimentärer) tabellarischer Vergleich von Hygienekonzepten und Empfehlungen für Singgruppen zeigt Gemeinsamkeiten, unterschiedliche Prioritäten und kann dabei helfen, Ideen für die Erstellung eigener Hygienekonzepte zu bekommen

Schutzmaßnahmen beim Singen: Hier sollen – work in progress – vor allem die speziellen Maßnahmen für den Chorbetrieb vorgestellt und auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien und Einschätzungen diskutiert werden, die uns einen Singbetrieb möglichst sicher erlauben können.

Singen heilt: Als Gegenpol zu dem ernsten Anliegen dieser Webseite, sollen hier nach dem Aufbau der Seite, viele entstandene Studien zu den äußerst positiven gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Singens vorgestellt werden.

Vorwort Juni 2021

Das vorliegende Vorwort ersetzt das ursprüngliche (unten abgedruckt in einer Akkordeonakkulade)

Singen ist unschlagbar gesund und sollte eigentlich wie etwa das Rückentraining von den Krankenkassen subventioniert werden. So gesund Singen aber auf hormoneller Ebene ist, so hat sich doch leider im Zuge der Pandemie herausgestellt, dass auf der Ebene der Aerosole ein besonderes Ansteckungsrisiko besteht, das man ernst nehmen und dem man durch geeignete Schutzmaßnahmen begegnen sollte (Längerfristig gedacht besteht der wichtigste Schutz wohl in der Impfung – besser wohl als eine durchgemachte Infektion, die eher bei einem schwereren Verlauf längerfristig, aber weniger als die Impfung immun macht).

Die Seite verdankt ihre Entstehung dem Umstand, dass ich bereits im März 2020 dem eigenen Interesse als Chorleiter und Sänger folgend forschte, wie sicher Chorsingen unter Pandemiebedingungen ist. Dabei stieß ich schon früh darauf, dass es deutliche Anzeichen für eine primäre Luftübertragung von Corona generell und besonders beim Singen gibt. Diese ist in unmittelbarer Nähe am größten, aber wirkt bei unzureichender Lüftung und hoher Aerosolproduktion auch durch eine pauschale Kontaminierung der Luft. Ich stieß darauf, dass Singen schon im Zusammenhang mit der Tuberkulose unter den Verdacht geraten war, durch eine verstärkte Produktion vergleichsweise kleiner Aerosole ansteckungsbegünstigend zu wirken, und war an den Gründen dafür interessiert. Zu dem Zeitpunkt und noch lange danach stempelte die WHO vergleichbare Einschätzungen als Fake-News ab, obwohl sich die Belege dafür ständig mehrten, und auch die WHO mittlerweile ihre ursprüngliche Ansicht revidiert hat. Aber in vielen Staaten, so auch bei uns in der Schweiz, lag damals und noch lange Zeit später ein sehr großer Fokus der Ansteckungsvermeidung auf der Desinfektion.

Dann wurde in den Medien im Wesentlichen über die Ausbrüche in Chören berichtet. In einigen Ländern wurde geraten bis konfrontativ gefordert, dass Chorsingen vorerst besser ganz aussetzen sollte, da es zu gefährlich sei. Ein solcher Schluss wurde etwa bei einer Anhörung der Wissenschaft durch die amerikanischen Chorverbände gezogen. In Deutschland warnte etwa der langjährige Expräsident der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musiker-Medizin Prof. Dr. Eckard Altenmüller eindringlich davor usw. In anderen Ländern ging man dagegen recht sorglos mit der Thematik um. Die Wahrheit sollte doch international sein, sollte man meinen. Diese, so weit wir von ihr wissen, ist wohl viel differenzierter zu betrachten, wie ich unter dem Punkt Aerosolübertragung beim Singen darlegen will. Leider fehlte seinerzeit belastbare Forschung zu dem Thema, bzw. war nicht allgemein bekannt und so trug ich auffindbare Unterlagen zusammen und nahm Kontakt zu einzelnen Wissenschaftlern auf – auch mit dem Ziel, zu Forschungen anzuregen, die fürs Singen relevant sein könnten. In der Folgezeit kamen aber aus aller Welt weitere Forschungsergebnisse zusammen – mit zum Teil recht widersprüchlichen Ergebnissen, aber auch widersprüchlichen Einschätzungen. Solches musste in der Chorszene für weitere Verwirrung sorgen. Die Abschlussberichte der Forscher gaben aber oft genug zu erkennen, dass ihnen zum Zeitpunkt ihrer eigenen Forschung wichtige parallele Forschungsansätze, die relativierend hätten wirken können, noch gar nicht bekannt waren.

Im Sommer 2020 hatte ich dann den Plan, meine Sammlung zu einer informativen Webseite auszubauen, die Forschenden wie Chorinteressierten gleichermaßen einen erklärenden Überblick verschaffen sollte (längere Vorarbeiten außerhalb der Arbeit ermöglichten leider erst einen Online-Start Anfang Januar 2021).

Aus ähnlichen Motiven einer Vernetzung des Wissens auch für Forschende hatte David Stingl vom Berliner Rundfunkchor die Idee, eine auflistende Materialsammlung zur Thematik unter verschiedenen Gesichtspunkten zusammenzustellen (www.aerosole.net). Auch lag mir daran, Überzeugungsarbeit zu leisten, dass wir beim Singen hauptsächlich die Luftübertragung und ihre Verhinderung im Blick haben und von der übertriebenen Desinfektion absehen sollten, die in vielen Schutzkonzepten und auch Risikoempfehlungen für Chöre noch einen großen Raum einnahmen und von dem eigentlichen Risiko ablenkten. Gleichzeitig wollte ich Lösungen diskutieren, wie wir möglichst geschützt zusammenkommen können und wie sehr diese Lösungen wissenschaftlich belastbar sind. Risikoeinschätzungen gab es verschiedene: die bekannteste vom Institut für Musikermedizin in Freiburg, die in mehrere Sprachen übersetzt und mehrfach aktualisiert wurde.

Als die genannten Arbeiten begannen und die Forschungen zum Singen durchgeführt wurden, war die Impfung noch nicht in Reichweite und ihre Wirksamkeit unbekannt. Niemand rechnete wohl damit, dass wir so bald im Besitz von Impfstoffen sein würden, die dazu auch noch einen 95-prozentigen Impfschutz versprechen. Ich habe längere Zeit diesem Thema gegenüber beobachtende Zurückhaltung geübt und das Thema ausgeklammert. Aber mittlerweile scheint es mir auf der Grundlage vieler Beobachtungsstudien sträflich, auch bei allen noch bestehenden Unwägbarkeiten hinsichtlich Mutationen und Restrisiken nicht auch von dieser Seite die Impfung nahe zu legen. Virologen gehen immer mehr davon aus, dass es die viel beschworene Herdenimmunität nicht geben wird, und rechnen damit, dass sich nach Wegfall staatlicher Maßnahmen innerhalb von Monaten bis zu vielleicht zwei Jahren jeder Ungeimpfte mit Corona infizieren wird. Man weiß, heute dass die Infektionsdosis (die Dosis an Viren, mit der man bei der Infektion in Berührung kommt), maßgeblich auch die Schwere einer Corona-Erkrankung mitbestimmt (mit möglicher Todesfolge gerade für ältere SängerInnen und möglichen Long-Covid-Beschwerden auch für Jüngere). Im besonderen Wissen um die Anfälligkeit und um die speziellen Mechanismen beim Singen, die wie auch die Erfahrungswerte zeigen, hohe Infektionsdosen produzieren können, sollte sich jede/r die Frage stellen, ob es eine gute Idee ist, ungeimpft singen zu gehen, wenn keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen mehr eingehalten werden. Das zu sagen, fällt mir besonders gegenüber denen, die sich nicht impfen lassen können, schwer. Aber die Ansteckungsfähigkeit des Virus wird weiter wachsen. Eine vierte Welle im Herbst wird von vielen für wahrscheinlich gehalten. Ihr Ausmaß, und ob wir dann singen dürfen, wird wohl abhängig sein von der Anzahl der Geimpften, dem Potenzial der Mutationen und dem Maß der noch aufrecht erhaltenen Schutzmaßnahmen.

Ich habe die große Hoffnung, dass wir bald wieder einen geregelten Chorbetrieb aufnehmen und auch aufrecht erhalten können. Aber ich möchte nichtsdestotrotz an dieser Seite noch weiterarbeiten, damit die Informationen zur Verfügung stehen: Besonders möchte ich den Menüpunkt zur Aerosolübertragung beim Singen dem neueren Wissenschaftstand anpassen und systematischer darstellen. Daneben möchte ich die Diskussion der nichtpharmazeutischen Schutzmaßnahmen noch zu Ende führen. Wenn wir diese dann nicht mehr brauchen und sie in der Schublade verschwinden können, dann umso besser. In jedem Fall wären die Informationen dann für den Fall einer neuen Pandemie parat – die am Besten gar nicht erst kommt!

Christian Dillig, Anfang Juni 2021

Ursprüngliches Vorwort Dezember 2020

Die vorliegende Seite ist der Sicherheit beim Singen und Singen in Gruppen, dem liebsten Hobby vieler, unter Corona-Bedingungen gewidmet. Als betroffener Chorleiter und Gesangspädagoge habe ich sie nur mit inneren Vorbehalten online gestellt, da ich stattdessen lieber ungebremst Werbung fürs Chorsingen machen würde. Aber ich denke, wir sollten zunächst einmal so gut wie möglich verstehen, womit wir es zu tun haben, damit wir wissen, worauf wir aktuell reagieren müssen und wie wir das Singen besonders auch in Gruppen – vielleicht sogar längerfristig gedacht – möglichst sicher ermöglichen können.

Die Seite verdankt ihre Entstehung einem längeren Forschungsprozesses zur Sicherheit beim Singen unter Corona-Bedingungen seit Beginn der Pandemie. Nicht einfach nur selektiv ausgewählte wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Singen in Gruppen in puncto Ansteckungsgefährdung mit dem Coronavirus im Moment leider exponiert ist und einen besonderen Schutz benötigt. Hierzu habe ich mich tief in die internationale Forschung eingearbeitet. Es ist mir ein Anliegen, mein Hintergrundwissen hierüber zu teilen und über die besonderen Gefährdungsbedingungen beim Gruppensingen aktuell und die besondere und in vielen Ländern immer noch unterschätzte Gefährdung der Aerosolübertragung im Allgemeinen, besonders aber deren wichtige Rolle aktuell beim Singen aus wissenschaftlicher Sicht aufzuklären. Wohl renne ich damit mittlerweile bei vielen offene Türen ein. Dennoch ist auch vielen anderen noch nicht klar, dass die Hauptgefahr bei Singgruppen der Gefahr durch Aerosole zu verdanken ist. Und in den verschiedenen Ländern wurde die Bevölkerung darüber sehr unterschiedlich informiert.

Man kann nur hoffen, dass die geäußerten Bedenken möglichst schnell keine Rolle mehr spielen werden und wir wieder zu unserem alten Modus zurückkehren können. Wir müssen uns aber klar machen, dass die Pandemie wohl nicht von heute auf morgen aufhören wird und wir auch in der Übergangszeit beim Singen besonnen handeln sollten. Auf der Grundlage meiner Nachforschungen möchte ich lösungsorientiert sinnvolle Schutzmaßnahmen zum Gruppensingen diskutieren, die uns das Singen hoffentlich weitestgehend sicher ermöglichen können, und dies auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Forschungen sowie Beobachtungen plausibel machen.

Hierzu gibt es bereits wertvolle Risikoeinschätzungen des Instituts für Musikermedizin Freiburg (Prfs. Richter und Spahn), der Klinik für Audiologie und Phoniatrie an der Charité Berlin (Prof. Mürbe), des Zentrums für Musikermedizin der Universität Leipzig (Prof. Fuchs) oder einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe (Naunheim et al., 2020) und weitere. Meine Schwerpunkte hierbei sind zum Teil anders gesetzt, und ich möchte Sachverhalte noch mehr argumentativ und im Detail nachvollziehbar machen. Eine gute Linksammlung zum Thema Singen und Corona bietet die Seite www.aerosole.net, ein Wiki des Rundfunkchorsängers David Stingl, das wissenschaftliches und mediales Material usw. auflistet, an der sich Verantwortliche für Gruppengesang orientierten können.

Mir ist völlig bewusst dass die aktuelle Pandemie neben der Sorge um die gesundheitliche Sicherheit beim Singen überhaupt, aber auch im Bereich der Chöre eine Vielzahl weitere Ängste und Probleme mit sich bringt wie existenzielle Sorgen (etwa der Chorleiter und Berufssänger), Sorge um das Überleben der Chöre, vor Einschränkungen der Freiheit und staatlicher Bevormundung oder im Zusammenhang mit der bevorstehenden Impfung usw. – Sorgen, die von den einzelnen sehr unterschiedlich gewichtet werden und nicht gegeneinander ausspielbar sind. Für alle ist es eine schwere Zeit, und das gilt insbesondere auch für das Chorleben – sozial wie musikalisch. Sänger*innen bleiben aus sehr unterschiedlichen Gründen den Chören fern (so denn überhaupt gesungen werden darf),

  • weil sie Sorge um ihre Gesundheit haben
  • weil die situationsbedingte Programmeinschränkung oder Konzertpause zu wenig Attraktion bietet
  • weil sie Mühe haben mit den Schutzmaßnahmen und Konsequenzen, die aus jenen resultieren
  • weil sie auf alternative Probeformen wie Onlineproben nicht ausweichen wollen

Es bleibt zu hoffen, dass Chöre in absehbarer Zeit wieder zu einer entspannteren Chorarbeit zurückfinden können und diese pausierenden Gruppen wieder zurückkehren.

Singen selbst ist sozial von hoher Bedeutung und von außerordentlichem gesundheitlichem Wert, und es ist eine Schande, dass Corona ein solch schräges Licht auf die Leidenschaft und Lieblingsbeschäftigtung vieler Menschen geworfen hat. Wer an das Singen selbst anstatt an das Virus das Etikett “gefährlich” klebt, sollte – sarkastisch gesagt – doch be das Gleiche auch bei Familie, Restaurant, Diskothek, Kirche, Weihnachten, Küssen, Lachen, gemütliches Beisammensein und bei weiteren Dingen und Tätigkeiten tun, die schön sind und Freude bereiten und gleichwohl mit einem hohen Ansteckungsrisiko verbunden sind.

Die vorliegende Seite verdient darum zu ihrem ernsthaften Anliegen ein grosses Gegengewicht. Mein erklärtes Ziel ist es, in diesem Sinne nach einer Anfangsphase, in der ich den Informationsteil zur Ansteckungsgefährdung und vor allem nun die Diskussion zu den Schutzmaßnahmen noch ausbauen muss, immer mehr Forschungen zum positiven Wert des Singens vorzustellen. Wenn die Grundanliegen der vorliegenden Seite sich hoffentlich mit dem Fortschritt von Impfung und Medikamenten in nicht allzu langer Zeit mehr und mehr überflüssig machen (einige Erkenntnisse davon bleiben weiterhin wichtig und bedenkenswert), würde ich gerne die Thematik zur Heilkraft des Singens mehr und mehr ausbauen. Vielleicht wäre es dann endlich einmal an der Zeit, auf der Grundlage der überwältigenden Heilkraft des Singens und Gruppensingens an die Krankenkassen heranzutreten, dass Chorbeiträge genauso bezuschusst werden, wie etwa die Beiträge in Fitnesseinrichtungen für Rückentraining usw.

Christian Dillig (Chorleiter, Gesang- und Klavierlehrer), Dezember 2020, www.christiandillig.com

Updates

Hier liste ich nur gewichtigere Ergänzungen/Änderungen auf (Webseite freigeschaltet 7. 1. 2021)

  • Januar 2021 Vor allem Ausbau Menüpunkt Risiko und Spät- und Langzeitfolgen: Studien, Erfahrungsberichte Sänger
  • Februar 2021: Vor allem Ausbau Menüpunkt Schutzmaßnahmen beim Singen
  • März 2021: Ergänzung Punkt 4 bei Vergleich Ansteckungswege: Erläuterung, warum Oberflächen eine vergleichsweise geringe Rolle bei der Übertragung haben und Hygienekonzepte nicht in Hygienetheater ausarten sollten; Weiterarbeit an Menüpunkt Schutzmaßnahmen beim Singen (dabei umfangreicher: Günstige Abstände); Ergänzungen / Umstrukturierungen Menüpunkt Aerosolübertragung beim Singen
  • April 2021: Ausbau Menüpunkt Schutzmaßnahmen beim Singen
  • Mai 2021: Pause
  • Juni 2021: Neues Vorwort, geplant: Umbau des Menüpunks Aerosolübertragung beim Singen aufgrund neuerer Erkenntnisse; weiterere Ausbau Schutzmaßnahmen beim Singen geplant